Ich kann nichts dafür...

Veröffentlicht auf von Zong

Es gibt Leute, die behaupten, ich hätte zumindest eine leichte Affinität zur Dominanz. Nun, dem muß ich ganz entschieden wieder sprechen. "Leicht" scheint mir nämlich stark untertrieben.

Hat sich gerade gestern mal wieder gezeigt, als ich einen neuen Skype-Chat für meine Online-Spiel-Kollegen einrichtete. Eigentlich sollte nur ich das Recht haben, Leute einzuladen. Hat wohl nicht ganz geklappt. Aber war auch nicht so wichtig. Hauptsache, ich habe das Recht, jeden wieder hinauszuwerfen. Allein diese Aussage entlockte den anderen Beteiligten deutliches Schmunzeln bis verhaltene Zustimmung. Ich bin also enttarnt. Damit dürfte jetzt auch dem letzten Ratsmitglied unserer kleinen Allianz klargeworden sein, daß die Auseinandersetzung mit mir nicht in jedem Fall kampffrei ausgehen wird. Wobei ich mich grundsätzlich auf Wortgefechte beschränke.

Nebenbei sammle ich Nachrichten mit Beleidigungen. Daraus ergaben sich mit der Zeit verschiedene Erkenntnisse

a) Kreativität.
Nein, wirklich... es müssen nicht immer Standard-Sprüche sein. Sowas liest man doch irgendwann überhaupt nicht mehr. Ein bischen Witz, Intelligenz, ja sogar Charme - und eine Beleidigung wird zu einer Mitteilung an Außenwelt und Gegner, die tatsächlich etwas mehr bewegt, als nur den Zeigefinger um Löschbutton und danach auf Angriff... (Was, wir haben keine Truppen mehr? Mist...)
Die gängigen Vorurteile gegen pseudo-offensiv spielende Accounts hat mein Dual bereits in unserem Spieler-Profil zusammengetragen. So brauchen sich die Faulen lediglich per Copy&Pase bedienen. Dürfen aber im Gegenzug nicht erwarten, ernst genommen zu werden.

b) Rechtschreibung
Ich mag Rätselraten... tatsächlich. Das fordert Geist und Konzentration. Allerdings nicht, wenn ich jedes zweite Wort mühselig entziffern muß und nach dem fünften den Zusammenhang verloren habe. Nein, so geht das nicht. Wer effektiv beleidigen will, sollte auch noch einmal vor dem Absenden kurz über den Text schauen. Hey, ich bin bei Weiten nicht fehlerfrei - was hier öfter zu lesen ist, als mir lieb ist. Aber meistens versteht man mich zumindest - so hoffe ich.

c) Struktur/ Format
Unterschätzt, aber nicht unwichtig. Blocktext ist eine furchtbare Erfindung - zumindest in meinem Augen.
Lieblos, unmotivierte und bisweilen unverständliche Wortzusammenstellungen, die in keinerlei Strukturen geteilt werden, liest doch nun wirklich niemand weiter, als bis zur zweiten Zeile. Punkte, Kommata, ja, hin und wieder ein Ausrufezeichen... und vor allem: Absätze. Wie soll ich die Bezeichnung als hinterer Darmausgang am Schluß des Textes noch mitbekommen, wenn meine flirrenden Äugelein bereits kurz nach der Einleitung den Dienst quittieren und nur noch BugsBunny sehen wollen?

d) Diskriminierung
Auch wenn schon allein dieses Wort uns inzwischen zu Ohren heraus hängt - ich will es aufgreifen. Ich bekomme monitorlange Nachrichten, die sich hauptsächlich um... nun ja... etwas fragwürdige bis ungewöhnliche, sexuell motivierter Aktivitäten drehen. Und eingeleitet werden diese mit dem Mode-Schimpfwort der Saison: >Hurensohn<.
Grundsätzlich lasse ich mir niemanden zu nahe treten und diskutiere mit demjenigen das Berufsleben meiner Eltern. Das gehört sich einfach nicht.
Aber warum um alles in der Welt "Sohn"? Wieder... immer wieder... inzwischen hab ich aufgehhört zu zählen. Die Quote weiblicher Spieler bei Onlinegames ist höher als die Allgemeinheit glauben mag. Es ist die Kommunikation untereinander, die die Mädels ebenso anzieht. Gut, eigentlich eine andere Art der Kommunikation, als ich in diesem Schreiben anspreche. Aber was will man machen... man kann sich seine Beleidiger hat nicht aussuchen. Und so muß in jedem Fall damit gerechnet werden, daß der geneigte Leser eventuell nicht männlichen Geschlechts ist.

Also, wenn ich mich schon hinsetze und versuche meine ganze Abneigung einem anderen Menschen gegenüber schriftlich zu fixieren, so dann auch ein wenig mit Verstand. Vielleicht wird dann bei all dem Nachdenken auch klar, daß man Auseinandersetzungen anders klären kann...

Ach ja - und dan wäre da noch die - womöglich provokannt gemeinte - Frage: "Merkst du noch was?" (in allen möglichen und unmöglichen Schreibweisen) - Die Antwort lautet wohl: nach der dritten Flasche Wein hoffentlich nicht mehr.

In diesem Sinne - kein Alkohol ist auch keine Lösung...
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Veröffentlicht in Travian

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