[Minigeschichte] Schnee

Veröffentlicht auf von Zong

Nicht wirklich Gedanken, sondern eine kleine Geschichte, Erinnerungen einer weinsseligen Nacht. Das Geschehen an sich liegt nun auch schon ein paar Jahre zurück. Was den Sinn angeht. Nun - recht simple - die Suche nach Liebe, nach Geborgenheit, nach einen zweiten Teil meines Ich's, wovon wir Frauen so gerne träumen. Und manchmal sieht man ein Exemplar Mann, daß in diesen Traum passen könnte und man wirft sich mit allen Hoffnungen und Wünschen hinein - manchmal ebenso, wie er.
Und dann merkt man - es ist da eigentlich nichts. Ja, Interesse auf wen neues, Sympatie - aber nicht dieses warme Gefühl, was Verliebtheit ankündigt. Er war nicht richtig - die Zeit war nich trichtig - was weiß ich. Jedenfalls, war es so schnell vorbei wie begonnen. Aber mit der Erkenntnis, daß man nichts überstürzen sollte. Und Beziehungen nicht auf den eigenen Träumen aufbaut, sondern auf Gemeinsamen Wünschen...

Gruß, Zong
Ps: inzwischen glücklich mit einem anderen Mann verheiratet


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Weißt du, wie Schnee sich auf nackten Füssen anfühlt?

Er sagte – ist gar nicht schlimm – nur unangenehm, wenn der dort schmilzt… Nun, er hatte recht.

Während dutzende Menschen zwischen den Straßenbahnen hin und her rennen, um ja die noch zu bekommen, die vor zwei Minuten hätte fahren sollen, steh ich da und beobachte Schneeflocken. Wie sie auf meinen Füßen landen und dort einfach verschwinden. Richtig, meine Füße. Nicht irgendwelche Schuhe.

Von dem kleinen braven Mädchen zur selbstbewussten Frau brauchte es viele kleine Schritte – und ein paar der letzten eben ohne Schuhwerk. Warum? Ja, was weiß ich. Es erschien mir richtig. Und ich habe schon immer getan, was mir richtig erschien. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Wichtig war, dass am Anfang die Überwindung stand. Dass ich meinem größten Feind gegenüber stand und ihn besiegte – mir, mich.

Also hatte ich an dem gestrigen ersten weißen Abend mitten im Dezember, die schwarzen Klamotten und die alte Lederjacke angezogen und es dabei belassen. Hab mich auf dem Weg zu meinem Stammclub von der Polizei kontrollieren lassen – wie so oft. Hab mich vom Türsteher verrückt nennen lassen und zusätzlich mit einem Kuss bezahlt – wie noch öfter. Hab die Nacht in diesem „Schuppen“ durchgetanzt – wie – ja richtig… na, auch egal….

Doch dann traf ich ihn. Junge… Mann… irgendwas dazwischen. Es war anders, als die belanglosen Flirtereien, mehr, als die liebevollen Gesten gegen gute Bekannte. Es war Interesse. Echtes Interesse. Meiner Meinung nach, auf beiden Seiten.

Gerade weil – oder – trotzdessen, ich war, was und wie ich war. Er erzählte, er hörte mir zu, er lachte, er schaute mir in die Augen. In jeden Film begänne hier die große Liebe. Und eine Frau, wie ich, nun… ja… ich sehnte mich danach. Nach Nähe, Vertrauen, nach Liebe. Mein Verstand sagte, ja ja ja. Doch mein Herz flüsterte nein. Und ich hörte nicht zu. Ignorierte das Nein noch immer, als ich später in seinen starken Armen einschlief. Überhörte es bei Frühstück ob seiner Komplimente. Es fühlte sich so gut an, begehrt zu werden, bewundert zu werden.

Doch nun stehe ich hier auf der Straße, auf dem Weg in mein Zuhause, die Wohnung, die ich mir nur mit meinen Gedanken und Wünschen teile. Ich kann mein Herz nicht weiter leugnen – es brüllt mich an „es ist falsch, falsch, falsch“. Und Schnee schmilzt auf meinen Füßen. Das ist richtig. Warum? Weil ich es fühle.

Es ist gar nicht so schlimm…
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Veröffentlicht in "Augenblicke"

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